Rohrbau neu denken
Paul Šrajbr treibt den Netzausbau für BHK in NRW voran
Seit September 2025 verantwortet Paul Šrajbr als Geschäftsführer der BHK Tief- und Rohrbau GmbH & Co. KG den Geschäftsbereich in Nordrhein-Westfalen. Zwischen Energiewende, wachsendem Netzausbau und steigenden Anforderungen positioniert sich BHK unter seiner Führung dort neu. Im Interview spricht er über Marktchancen, moderne Führung und die Rolle des Rohrbaus für die Zukunft der Infrastruktur Deutschlands.
Sie sind neu in der Geschäftsführung. Was hat Sie an BHK Tief- und Rohrbau besonders gereizt, und was ist Ihr persönlicher Anspruch an die neue Rolle?
Die Tätigkeit im Rohrleitungsbau macht mir unheimlich viel Spaß, weil die Arbeit sehr teamorientiert ist und von einem kollegialen Miteinander geprägt wird. Was mich an BHK besonders angesprochen hat, ist vor allem die Möglichkeit, ein Unternehmen aktiv weiterzuentwickeln. Gleichzeitig ist für mich auch wichtig, dass sich Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren lassen.
Sie verantworten den Bereich in NRW: Welche Markt- und Projektchancen sehen Sie dort im Tief- und Rohrbau und wo sind aktuell die größten Engpässe?
Die Marktchancen liegen zum einen darin, dass wir in der Region bisher noch nicht in der Tiefe vertreten sind, die das vorhandene Marktpotenzial eigentlich hergibt. Der neue Standort in Rheda-Wiedenbrück schließt dabei eine wichtige geografische Lücke zwischen Herford und Schwerte und stärkt unsere regionale Präsenz. Gleichzeitig bietet die Energiewende enorme Chancen, da in den kommenden Jahren erhebliche zusätzliche Kapazitäten im Ausbau der Netze benötigt werden.
Was bedeutet „regional etablieren“ in der Praxis? Wie weit ist der Prozess?
Mit Schwerte und Herford haben wir bereits zwei langjährig etablierte Standorte, die seit vielen Jahren am Markt sind. Gleichzeitig besteht dort weiterhin Entwicklungspotenzial. Gerade die Region Ostwestfalen-Lippe ist durch große Flächen und entsprechend lange Leitungsstrecken geprägt, bei gleichzeitig hoher Wirtschaftsleistung. Regional etablieren heißt für mich daher, unsere Präsenz weiter auszubauen, bestehende Strukturen zu stärken und gleichzeitig neue Kapazitäten aufzubauen, um diesem Bedarf gerecht zu werden.
Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben? Inwieweit ähneln sich die Führungsstile zu ihrer Co-Geschäftsführung Robert Hormann?
Wir sind beide technisch geprägte Führungskräfte und kommen aus dem Ingenieurwesen. Das bedeutet, dass für uns eine saubere, fachlich hochwertige Ausführung der Arbeit im Mittelpunkt steht. Uns verbindet der Anspruch, unsere Mitarbeitenden weiterzuentwickeln und eine hohe Qualität sicherzustellen. Ich verfolge dabei einen klaren Coachingansatz. Man kann das gut mit „fördern und fordern“ beschreiben. Wichtig ist mir auch eine Kultur des Respekts und der Anerkennung. Gleichzeitig spielt das Thema Arbeitssicherheit eine zentrale Rolle.
Fotos: Carsten Heidmann (Bremen)
Rohrbau in der Praxis – Qualität, Effizienz, Zukunft
Wenn Leserinnen und Leser nur eine Sache über modernen Rohrbau wissen sollten: Was hat sich in den letzten Jahren am stärksten verändert?
Ich würde sagen, dass ich Veränderungen vor allem darin sehe, wie geführt wird. Momentan merken wir einen Wandel in dieser Branche weg von patriarchischen Strukturen hin zu mehr Wertschätzung, Anerkennung und einer stärkeren Übertragung von Verantwortung an die Mitarbeitenden.
Welche Qualitäts- und Sicherheitsfaktoren sind im Rohrleitungsbau aus Ihrer Sicht „nicht verhandelbar“ unabhängig von Projektgröße und Zeitdruck?
Am Ende müssen alle gesund nach Hause kommen. Das ist die oberste Maxime. Das beginnt ganz klar bei der persönlichen Schutzausrüstung. Es ist wichtig, dass alle Mitarbeitenden dafür sensibilisiert sind. Qualitätsseitig stehen wir natürlich unter Druck. Aber gute Arbeit sorgt für einen guten Ruf, reduziert Mängelansprüche und damit auch Folgekosten. Gleichzeitig steigert sie den Stolz und die Motivation der Mitarbeitenden. Zudem ist die Dokumentation ein wesentlicher Bestandteil, um Qualität dauerhaft sicherzustellen und sie auch gegenüber Auftraggebern transparent zu machen.
Welche Punkte machen den Rohrbau als Berufsfeld für die neue Generation so attraktiv?
Ich glaube, der Rohrbau ist zum einen ein Bereich, ohne den es nicht geht. Wir leisten einen essenziellen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Darauf kann man sehr stolz sein. Ein weiterer Punkt ist die Zukunftssicherheit des Berufs. Während in der Industrie viele Prozesse automatisiert werden, brauchen wir im Rohrbau weiterhin Menschen und perspektivisch sogar mehr davon. Das macht den Beruf langfristig sicher und bietet Entwicklungschancen für jede einzelne Person. Und wenn man wie wir auf die Arbeitssicherheit und Ergonomie achtet, kann man diesen Beruf auch langfristig gut ausüben.
Wo sehen Sie die größten Potenziale für effizienteren Rohrbau in NRW?
Entscheidend ist aus meiner Sicht die Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern und ausführenden Unternehmen. Was einen gemeinsamen Arbeitsfluss häufig behindert, sind Verwaltungsthemen und Auflagen. Das treibt die Kosten erheblich in die Höhe. Deshalb sehe ich ein großes Effizienzpotenzial darin, Prozesse zu vereinfachen und Rahmenbedingungen praxistauglicher zu gestalten. Technisch gibt es ebenfalls Ansätze, etwa durch bessere Datennutzung oder neue Technologien wie Augmented Reality. Ein weiteres Potenzial liegt im Umgang mit dem Boden.
Sehen Sie langfristig Potenziale durch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz im Rohrbau?
Ich sehe den ersten sinnvollen Einsatz eher in Bereichen, die ohnehin digital ablaufen, zum Beispiel in der Verwaltung oder bei kaufmännischen Prozessen. Voraussetzung dafür ist eine gute Datenbasis. Hier sind wir als BHK innerhalb der Seier Gruppe bereits gut aufgestellt, weil wir viele Daten erheben und verarbeiten und mit integrierten Systemen arbeiten. Themen wie ERP werden in Zukunft noch wichtiger. Konkrete Anwendungen sehe ich zum Beispiel in der automatisierten Verarbeitung von Dokumenten.
Ist das aktuell ein Alleinstellungsmerkmal von BHK oder zieht der Wettbewerb bereits nach?
Wir haben auf jeden Fall das Potenzial dazu. Als Teil einer größeren Struktur haben wir die Möglichkeit, Systeme und Prozesse aufzubauen, wie sie in der Industrie schon länger etabliert sind.
Wie gehen Sie mit dem Spannungsfeld um: hoher Bau- und Sanierungsdruck vs. Fachkräftemangel was funktioniert in der Praxis wirklich?
Wir legen einen ganz klaren Fokus auf die Ausbildung und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden. Es geht darum, dass wir in der Lage sind, unsere Mitarbeitenden gezielt zu entwickeln, sie an komplexere Aufgaben heranzuführen und ihnen Perspektiven zu bieten.
Blick nach vorn: Welche Themen werden Rohrbau-Projekte in den nächsten Jahren besonders prägen?
Ein zentrales Thema sind Fernwärme- beziehungsweise Nahwärmenetze. Diese werden stark durch die kommunale Wärmeplanung beeinflusst, aber auch durch die individuellen Kompetenzen und Möglichkeiten der jeweiligen Netzbetreiber vor Ort. Das zweite große Thema ist der Kabelleitungsbau. Dieser Ausbau ist notwendig, um die steigenden Anforderungen durch Elektromobilität, Wärmepumpen und dezentrale Stromerzeugung abzudecken. Auch Batteriespeicher spielen hier eine wichtige Rolle. Das dritte Thema, das aktuell noch nicht im Fokus steht, sind Wasserleitungen.
Sehen Sie auch beim Thema Wasserstoff Potenzial?
Grundsätzlich bewegen wir uns nicht in einzelnen Systemen wie nur Gas, nur Strom oder nur Fernwärme, sondern in einem Energiemix. Wasserstoff kann dabei eine wichtige Rolle spielen, insbesondere im Bereich der Energiespeicherung. Entscheidend wird aber sein, wie schnell der Ausbau der Infrastruktur und der Produktionskapazitäten voranschreitet. Wenn das zügig gelingt, wird sich hier ein großes Arbeitsfeld entwickeln.
Was macht BHK für den ökologischen Fußabdruck, welche Materialien, Techniken werden hierfür eingesetzt?
Verfahren wie das Saugbaggern sind minimalinvasiv und schonen beispielsweise den Baumbestand. Im Bau gilt oft: Maßnahmen, die wirtschaftlich sinnvoll sind, haben häufig auch ökologische Vorteile. Wenn wir Material vor Ort wiederverwenden können, sparen wir Transportwege und damit Emissionen. Der entscheidende Punkt ist jedoch ein anderer: Der eigentliche Beitrag des Rohrleitungsbaus zur Ökologie liegt in der Infrastruktur selbst. Wir bauen die Netze, die eine effiziente und nachhaltigere Versorgung überhaupt erst ermöglichen.
Verbandsarbeit & Digitalisierung
Sie haben beim rbv-Infopoint zur Prozessoptimierung/Digitalisierung im Leitungsbau mitgewirkt: Was war der Auslöser?
Das Ganze ist in einem Arbeitskreis entstanden. Die Idee war, zunächst einen Überblick zu schaffen. Also aufzuzeigen, welche Themenfelder es gibt und womit sich Unternehmen grundsätzlich auseinandersetzen sollten. Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen ohne eigene IT-Strukturen ist es wichtig, erste Orientierung zu bekommen und konkrete Ansatzpunkte zu sehen. Unser Ziel war es, aus der Arbeitsgruppe heraus einen Mehrwert für andere Unternehmen zu schaffen und die Branche insgesamt weiterzubringen.
Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Botschaft, die die Branche daraus mitnehmen sollte?
Die wichtigste Botschaft ist, dass wir stärker zusammenarbeiten müssen. Wenn wir die Energiewende und den Netzausbau erfolgreich umsetzen wollen, können wir das nur gemeinsam schaffen.
Verbandsarbeit klingt für viele nach „Gremien“ wo bringt sie im Rohrleitungsbau wirklich messbaren Mehrwert?
Im Kern geht es um Sicherheit, technische Standards und Qualitätsstandards, die gemeinsam entwickelt und weiter angepasst werden. Insgesamt geht es in der Verbandsarbeit sehr stark um den Austausch von praktischen Lösungen für konkrete Herausforderungen im Arbeitsalltag. Das hat einen direkten Einfluss auf die Qualität und Effizienz unserer Arbeit.
Kann man sagen, dass BHK als Unternehmen konkret von dieser Verbandsarbeit profitiert?
Auf jeden Fall. Wir profitieren davon, dass wir frühzeitig in technische Entwicklungen eingebunden sind und diese teilweise mitgestalten können. Dadurch können wir unseren eigenen Qualitätsanspruch einbringen und gleichzeitig sicherstellen, dass wir bei neuen Themen und Anforderungen auf dem aktuellen Stand sind.























